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Leben & Leiden im Lockdown: Dr. Yangs Pfad zur körperlichen Superiorität

Alexander Hebenstreit, 04.02.2021

Leben & Leiden im Lockdown: Dr. Yangs Pfad zur körperlichen Superiorität

Weder Hannes Kühnel noch irgendeinen anderen schwarz-gelben Kicker wird Paul Jung auf absehbare Zeit am Spielfeldrand behandeln können. Das Gute daran: Das heißt, dass sich keiner seiner Mitspieler beim Fußball verletzt. Das Schlechte: Es rollt überhaupt kein Ball. Entsprechend ist sein medizinisches Knowhow bis auf Weiteres „nur“ an der Uniklinik Jena gefragt.


Wie vertreiben sich eigentlich die Kicker des FSV Schleiz die momentane Zwangspause, in der der organisierte Sportbetrieb völlig brach liegt? Das und mehr erfahrt ihr in unserer kleinen Serie Leben & Leiden im Lockdown, in der eine Reihe schwarz-gelber Akteure in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen zu Wort kommen. Heute ist Offensivmann und Mannschaftsarzt Paul Jung alias Dr. Yang an der Reihe.


Der Lockdown zieht sich nun schon einige Wochen hin. Während den einen oder anderen ohne Fußball, Partys usw. die Langeweile drückt, dürftest du angesichts deines Jobs in der Uniklinik Jena nicht unter zu viel Freizeit leiden, oder?
Nein, das wirklich nicht. Ich pendle täglich nach Jena und da kommt mit der Arbeitszeit einiges zusammen. Da bin ich eigentlich recht froh, wenn ich am späten Nachmittag noch Zeit und Motivation für andere Sachen habe.

Für welche Dinge motivierst du dich denn, wenn Fußball außen vor ist?
Da gibt es doch einiges. Bei mir steht demnächst das letzte Staatsexamen an. Das will natürlich vorbereitet sein. Außerdem darf Sport nicht zu kurz kommen. Deswegen gehe ich viel laufen bzw. mache Krafttraining um mein Fitnesslevel zu halten.
Wenn dann Zeit übrig bleibt, klimpere ich ein bisschen auf meiner Gitarre rum oder entspanne einfach – das schadet auch nicht 😄

Und was hält besser fit? Das übliche Mannschaftstraining oder passt dein individuelles Pensum besser zur dir?
Das individuelle Pensum sorgt für eine sehr gute Auslastung. Da kann ich mich nach Belieben auspowern, denn ich kann es im Vergleich zum Fußballtraining breiter fächern und mir selbst zusammenstellen. Ich trainiere mal Ausdauer, mal Kraft, mal Schnelligkeit, mal eine Kombination – das eröffnet einige Möglichkeiten. Dafür kommen Koordinationsübungen und das Arbeiten mit dem Ball zu kurz, was wir im Fussballtraining natürlich immer einbringen. Ich hoffe das fällt mir dann nicht auf die Füße.
Was am Ende besser fit hält, wird die erste richtige Einheit als Mannschaft zeigen, denn da braucht es Ballgefühl gepaart mit Fitness. Da ich nie der feine Techniker war, versuche ich dann über das Körperliche zu kommen und die Defizite im Ballgefühl zu kaschieren und auszugleichen. Ich hoffe einfach, dass das funktioniert. Bisher bin ich über diese Schiene, denke ich, relativ gut gefahren 😀

Nicht nur als Spieler, sondern auch als Mannschaftsarzt hast du in der Hinrunde eine wichtige Rolle gespielt. Füllst du diese Doppelrolle gerne aus oder tust du es einfach nur, weil es gemacht werden muss?
Haha, na klar mache ich das gern! Ich glaube über den fußballerischen Part der Doppelrolle müssen wir nicht sprechen.
Beim „beruflichen Teil“ muss ich aber sagen, dass es auf die Situation ankommt: Vor dem Spiel helfe ich bei anfallenden Sachen natürlich gern; sei es Bandagieren, Tapen oder das Versorgen kleinerer Wehwechen. Auch bei Blessuren, die nach Spielen oder dem Training auftreten, bin ich gern für die Truppe da. Während des Spiels wäre es mir aber lieber, nicht ärztlich eingreifen zu müssen. Nicht weil ich da nicht gern helfe, sondern weil sich dann vorher jemand meist ernster verletzt hat. Nachzufragen bei Lukas Lange, dem Tackertester 😂
Ich muss aber sagen, dass ich mich inzwischen sowohl als Spieler, als auch als Mannschaftsarzt als Teil der Mannschaft sehe. So kann ich teils auch ohne Spielzeit doch etwas beitragen 😊

Wie schätzt du als medizinischer Fachmann eigentlich die Aussichten hinsichtlich des weiteren Pandemieverlaufs ein? Für wann gibt es nach deiner Einschätzung eine vertretbare Perspektive für die Rückkehr auf den Fußballplatz?
Puh . . . Ich hatte schon befürchtet, dass du so etwas fragst – ganz schwieriges Thema. Also eins vorweg: Als Fachmann würde ich mich, was das angeht, nicht bezeichnen. Wie die Pandemie weiter verläuft kann ich natürlich genauso wenig vorhersehen wie alle anderen. In diese Glaskugel würde ich gern schauen.
Dass wir nicht auf den Fußballplatz dürfen, um unserem Hobby nachzugehen, gefällt natürlich keinem von uns. Aber es gibt niemanden, der nicht in Alltag bzw. Beruf eingeschränkt wird. Ich weiß aber durch die Klinik, welche Ausmaße und Folgen mit der Krankheit verbunden sind. Deswegen müssen Ansteckungen konsequent verhindert werden.
Ich persönlich werde wie bisher alles weiter verfolgen und hoffe, dass das Infektionsgeschehen wieder in den Griff gebracht werden kann. Erst wenn ein ansteckungsfreier Sportbetrieb gewährleistet werden kann, sollten wir wieder auf dem Platz stehen – auch wenn das hart wird. Ich hoffe, dass wir uns Mitte des Jahres wieder regelmäsig am Fasanengarten sehen können. Aber wann genau es soweit sein wird, kann niemand sagen.

Weitere Teile der Serie:

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