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Leben & Leiden im Lockdown: Leif Broßmann & die Legende des rastlosen Studiosus

Alexander Hebenstreit, 17.01.2021

Leben & Leiden im Lockdown: Leif Broßmann & die Legende des rastlosen Studiosus

Kaum zu glauben, dass Leif Broßmann bei seinem straffen Tagespensum noch die Zeit für ein Lächeln für die Kamera findet. Oder ist es doch die Freunde darüber, sich – Lockdown sei dank – voll und ganz aufs Studium konzentrieren zu können?

Wie vertreiben sich eigentlich die Kicker des FSV Schleiz die momentane Zwangspause, in der der organisierte Sportbetrieb völlig brach liegt? Das und mehr erfahrt ihr in unserer kleinen Serie Leben & Leiden im Lockdown, in der eine Reihe schwarz-gelber Akteure in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen zu Wort kommen. Heute ist mit Leif Broßmann einer unserer Jüngsten an der Reihe.

Diverse wegfallende Trainingseinheiten und Spiele sorgen bei einigen Fußballern für reichlich Freizeit, die man in diesen Tagen aber nur sehr begrenzt nutzen kann. Wie schaut es bei dir aus? Gehörst du auch zu denjenigen, die in den eigenen vier Wänden die Langeweile drückt?
Nein, keinesfalls. Anfang November habe ich an der FSU Jena mein Lehramtsstudium der Mathematik und Physik begonnen. Dabei war ich besonders in den ersten paar Wochen ein wenig geschockt; nicht unbedingt vom Stoff, sondern vor allem vom zeitlichen Aufwand. Auch wenn mich der eine oder andere Mathe-/Physiklehrer im Team mit den Worten „Das wird schon echt hart“ äußerst schonend darauf vorbereitet hat, war an Fußball seither leider eher selten zu denken.
Beispielsweise konnte ich das A-Junioren-Training, das ja zwischenzeitlich wieder erlaubt war, nicht wahrnehmen. Somit spielt mir die aktuelle Situation im Amateurfußball in gewisser Weise sogar in die Karten – so blöd es auch klingen mag.

Wie darf man sich denn deinen Studentenalltag vorstellen? Angesichts geschlossener Kneipen sollte doch noch genug Zeit zum Lernen bleiben.
Dieses altbekannte Studentenleben muss wohl nichts weiter als ein Mythos sein (lacht). Laut Studierenden höherer Semester sei es besonders in den ersten eineinhalb Jahren extrem zeitintensiv. Ich belege momentan insgesamt sieben Module, in vier davon muss ich wöchentlich je eine Übungsserie abgeben. Die zu lösen und aufzuschreiben dauert schon einige Stunden.
Jeder Tag beginnt um acht Uhr mit einer Vorlesung, außerdem nehme ich selbstverständlich auch noch diverse Seminare und Tutorien wahr. Das Wochenende ging bis vor Weihnachten fürs Protokollschreiben drauf, jedoch fällt das Grundpraktikum seither coronabedingt aus – wieder passt mir das, zumindest in Moment, ganz gut, da ich samstags und sonntags ein paar Vorlesungen nachbereiten kann und auch mal mit der Prüfungsvorbereitung beginnen sollte. 
Ob die Kneipen nun geschlossen oder offen sind, ist mir – solange ich in Zeiten der Online-Lehre im Hotel Mama eingecheckt habe – also relativ gleich.

Dann wollen wir mal nicht hoffen, dass du die eineinhalb besonders zeitintensiven Jahre komplett auf Fußball verzichten willst.
Das stimmt. Jedoch steht wohl fest, dass ich – sollte ich etwas Zeit für den Fußball finden – dies keinesfalls in dem Ausmaß können werde, wie ich es gern hätte und es nötig wäre, um mich aus dem sportlichen Loch herauszuarbeiten, in dem ich mich seit Ende der Sommervorbereitung befinde.

Woran machst du das sportliche Loch denn fest?
Ich sehe meine Leistung gern im Verhältnis zu meinem Alter: Im Winter vor einem Jahr habe ich – in meinen Augen – eine für einen 17-Jährigen ordentliche Vorbereitung gespielt. Ein halbes, dreiviertel Jahr später will man dann logischerweise noch eine Schippe drauflegen können. Das hat leider nur anfangs funktioniert.
Im Testspiel in Zeulenroda beispielsweise habe ich noch einmal die Chance bekommen, mich zu zeigen, dranzubleiben. Ich durfte gegen einen Landesklässler starten, „Lischa-Fußball“ stand vor der Tür. Was ich dann über die 45 Minuten zusammengestolpert habe, war allerdings einfach nur enttäuschend. Ich glaube, ich hatte noch nie ein so schlechtes Spiel gemacht.
Seither ist eben irgendwie der Wurm drin: Das Selbstbewusstsein auf dem Platz, die Ruhe am Ball fehlen und ich treffe zu oft die falsche Entscheidung. Und wenn es doch die richtige ist, so machen meine Füße zu oft nicht das, was sie sollen – aber das ist wohl mein Los (lacht).
Wenn ich die Mannschaft schon fußballerisch nicht bereichern kann, will ich dann wenigstens abseits des Spielfeldes dafür sorgen, dass wir Erfolg haben und eine gute Stimmung herrscht, hier und da mal ein Späßle machen. Außerdem wird immer wenigstens ein Bankplatz schön warm gehalten (lacht).
Für mich persönlich bedeutet die Situation selbstverständlich erst einmal Unzufriedenheit, da ich meinen Ansprüchen an mich selbst nicht gerecht werde. Nichtsdestotrotz bin ich der Meinung, dass auch solche Erfahrungen dazugehören. Ich will eine Option für die erste Mannschaft werden. Deshalb muss ich einfach dran bleiben.

Wenn es gar nicht mehr reicht, könntest du ja mit deinem zweiten Steckenpferd, der Musik, für Unterhaltung sorgen.
Es freut mich sehr, dass auch an mein Hobby in Plothen gedacht wird. Seit mehr als elf Jahren spiele ich in der dortigen Jagdhorngruppe mit und wurde vor zwei Jahren zum „musikalischen Leiter“ ernannt. Auch wenn ich diese wichtigtuerische Bezeichnung nicht sehr mag, macht es doch wahnsinnig Spaß, meine eigenen Ideen in einer 15-köpfigen Truppe verwirklichen zu können.
Leider läuft es auch hier in diesen Zeiten natürlich analog zum Vereinssport: Das gemeinsame Üben fällt leider flach, wodurch der sogenannte „Ansatz“ ordentlich in Mitleidenschaft gezogen wird, wenn man nicht doch regelmäßig ein paar Minütchen übt. Allerdings würden Proben und deren Vorbereitung selbstverständlich sehr viel Zeit kosten, die ich ja aber bekanntlich gerade nicht habe.
Umso mehr hoffe ich darauf, dass Albert und Willi gerade ordentlich durch das Getröte aus der Nachbarschaft genervt werden. (Gemeint sind die beiden Plothener in FSV-Diensten, Albert Pohl und Wilhelm Blöthner)


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