Est. 1913

Bitter: Zweite verliert im Elfmeterschießen

Leif Broßmann, 08.09.2026

Bitter: Zweite verliert im Elfmeterschießen

Dass die Schleizer Zweite auch mit Landesliga-Fußballern mithalten kann, zeigte sie im 4:4-Sommertest gegen den RFC. Auch am vergangenen Sonntag lösten Misi Hilbert und Tim Zscherpel ihre Aufgabe gegen die Thüringenligafußballer Mohorn und Grau mehr als solide! Erstgenannter Schleizer ist hier in einer früheren Partie zu sehen, sein kongenialer Kumpane präsentiert den Spielbericht. Archivfoto: T. Quentin

 

2.Mannschaft : Spielbericht

Kreispokal Jena-Saale-Orla
2.Runde - 06.09.2026 15:00 Uhr
SV Blau Weiß Neustadt II   FSV Schleiz II
SV Blau Weiß Neustadt II 7 : 4 FSV Schleiz II
n. E.
(2:0, 2:2, 3:3)

Spielstatistik

Tore

Tim Zscherpel, Mark-Kevin Kiesow, Lukas Nietsch

Assists

Marco Saß, Mark-Kevin Kiesow

Gelbe Karten

Adrian Ost, Marco Saß, Jaden Limmer

Zuschauer

75

Torfolge

1:0 (20') SV Blau Weiß Neustadt II per Elfmeter
2:0 (26') SV Blau Weiß Neustadt II
2:1 (74') Tim Zscherpel (Mark-Kevin Kiesow)
2:2 (80') Lukas Nietsch
2:3 (110') Mark-Kevin Kiesow (Marco Saß)
3:3 (115') SV Blau Weiß Neustadt II per Elfmeter

Elfmeterschießen

4 : 3 SV Blau Weiß Neustadt II
4 : 4 Marko Fedoriaka
5 : 4 SV Blau Weiß Neustadt II
  Kilian Greiner verschossen
6 : 4 SV Blau Weiß Neustadt II
  Alfred Weidhase verschossen
7 : 4 SV Blau Weiß Neustadt II

 

Bitter: Zweite verliert im Elfmeterschießen

Als Sport(-lehr-)student gehört es ja quasi zu meiner Pflicht, immer wieder nach diesem Etwas zu suchen, was die Leute am Sport begeistert, diese besonderen Aspekte zu entdecken, die dazu führen, dass Millionen von Menschen ihre Freizeit leidenschaftlich eben diesem Sport widmen. An der Uni sprechen wir dabei häufig von einer einzigartigen „ästhetischen Erlebnisqualität“; Sport und damit auch der Fußball leben also von ihrer eigenen Ästhetik, sie leben von Schönheit und Anmut, aber eben auch im weiten Verständnis von ihrer puren Dramatik und unnachahmlicher Sinnlichkeit.

Das alles ließ sich auch par excellence am vergangenen Sonntag in Neustadt beobachten, wo die jeweiligen Zweitvertretungen in der zweiten Runde des Kreispokals aufeinandertrafen. Gerade nach der bitteren Pille aus dem Vorjahr, als unsere Zweite recht zweifelhaft im Viertelfinale am grünen Tisch ausschied, hatte man sich als Mannschaft einiges für die neue Pokalrunde vorgenommen. In Anbetracht der Leistungen der letzten Wochen schien das auch nur die logische Schlussfolgerung eines Saisonstarts, der fast nicht besser hätte verlaufen können. Unsere Zweite grüßt zurzeit nämlich anmutig von der Tabellenspitze. Und weil Erfolg eben nur von Dauer sein kann, wenn man niemals stehenbleibt, arbeiteten unsere Männer auch an diesem Wochenende an den verschiedensten Fronten: Coach Wöllner trat zur Zwischenprüfung seiner C-Lizenz an. NeuCo-Trainer Dr. Yang feilte berufsbedingt mal wieder an seinen medizinischen Fertigkeiten. Und Kapitän Lange kümmerte sich extrem zukunftsweisend zuhause bei der Familie schon um die Ausbildung unseres, in etwa 17 Jahren spielberechtigten, nächsten Stamminnenverteidigers

Weil „Schüler machen Schule“ zudem ebenfalls ein durchaus erfolgsversprechender Ansatz ist, lag die Einstellung unserer fast schon beunruhigend jungen Zweiten (Durchschnittsalter der Startelf: unter 21!) in den bewährten Händen von Co-Co-(Spieler-)Trainer Lukas Nietsch. Seine diversen motivationalen und taktischen Inputs, die, auch gern einmal mit kunstvollen Diagrammen versehen, Pep-Talk-Charakter im positivsten Sinne besitzen, wurden in ihrem Anmut lediglich von den schillernd weißen Spieltrikots getoppt.

Das Spiel an sich wirkte in der ersten Halbzeit jedoch recht aufgeregt und das auf beiden Seiten. Längere Ballbesitzphasen konnten lediglich die Innenverteidiger verbuchen, bevor diese in andauernder Regelmäßigkeit den schnellen Ball in die Spitze suchten: Bei Neustadt zumeist mit hohen Diagonalbällen, bei Schleiz deutlich häufiger im Flachpassspiel, jedoch ebenso ungefährlich. Es überrascht deshalb nicht, dass es erst einen Elfmeterpfiff benötigte, bevor erstes Zählbares zu berichten war. Nach einem guten Dribbling von Mohorn kam dieser im Schleizer Strafraum nach längerem Halten in feinster Flug-Ästhetik zu Fall. Den fälligen Strafstoß verwandelte Grau sicher unten rechts. Im Anschluss entstand Torgefahr eigentlich nur, wenn es zu Abstimmungsschwierigkeiten innerhalb der Abwehrreihen kam. Neustadt spielte dabei im Aufbau nicht nur einmal den Ball direkt in die Füße der Schleizer Offensivreihe; mehr als ein Abschluss aus der Distanz, der gut fünf Meter über das Tor strich, sprang dabei jedoch nicht heraus. Ganz im Gegensatz dazu nutzte Neustadt einen unangenehm aufspringenden hohen Ball Richtung Schleizer Strafraum in Person von Pernt, um etwas geistesgegenwärtiger den Ball aufs und ins Tor zu bugsieren. Auch wenn mit zunehmendem Zeitverlauf das Spiel immer weiter in die schwarz-gelbe Richtung zu kippen schien, blieben die Bemühungen in Halbzeit eins weitestgehend harm- und ideenlos.

Weil aber ein Fußballverein, besonders unser FSV, mehr ist als nur die eine isolierte Mannschaft neben anderen, konnten wir in der Halbzeit auch auf Hinweise unseres ExCoachs und jetzigen Co-Trainers der Ersten Mannschaft zurückgreifen. Mit taktischen Umstellungen in der Offensive sollte die nicht immer ganz sicher wirkende Abwehrreihe der Hausherren endlich einmal vor ernste Herausforderungen gestellt werden.

Ob es nun an den taktischen Kniffen oder der bloßen Aura unseres zu diesem Zeitpunkt eintreffenden Trainerduos Woellner/Jung lag, dass die zweite Halbzeit deutlich spielfreudiger und zielstrebiger verlief, bleibt wohl reine Spekulation. Während Neustadt nur noch zu Beginn, im 1-gegen-1 am fehlerlosen Torhüter Wagner scheiternd, Gefahr ausstrahlen konnte, spielte unsere Zweite nun deutlich dominanter und tauchte immer wieder gefährlich vor dem Neustädter Kasten auf. Ein Volley von Viktor Garstka konnte von Torhüter Rödiger noch stark pariert werden, während bei einem Limmer-Abschluss lediglich der Pfosten den Einschlag verhinderte. Man konnte in dieser Phase also von brotloser Schönheit sprechen. So richtig schön wurde es aber erst in der letzten Spiel-Viertelstunde: Eingeleitet durch eine ansprechende Kiesow-Fedoriaka-Kombination musste ich die flache Eingabe von rechts aus gut fünf Metern nur noch über die Linie drücken. Davon beflügelt entwickelte sich anschließend eine Dauerdruckphase, die ihren Höhepunkt in Minute 80 fand. Einer Kurzpassstafette an der Mittellinie folgte eine technisch anspruchsvolle Seitenverlagerung von Lukas Nietsch, die auf der linken Seite durch einen Doppel sowie anschließenden Tiefenpass weiterverarbeitet wurde, nur um nach einem Pass in die Mitte von Lukas Nietsch selbst aus 25 Metern in den linken Giebel vergoldet zu werden. Von der Euphorie angetrieben, drängte Schleiz nun auf die Entscheidung, Neustadt hielt in den Schlussminuten aber clever dagegen und konnte durch Standards auch eigene Akzente setzen, sodass das Gefühl entstand, jede Offensivaktion könnte nun spielentscheidend werden.

Um in den einleitenden Begrifflichkeiten der Ästhetik des Spiels zu bleiben, kann spätestens hier von einer aufkommenden Dramatik gesprochen werden. Die nach 90 harten Minuten folgende Verlängerung entwickelte sich aufgrund nachlassender Kräfte auf beiden Seiten zu einem echten Abnutzungskampf, in dem das Mittelfeld häufig durch lange Bälle gekonnt ignoriert wurde. Einsetzende Krämpfe und Verletzungen unterbrachen den Spielfluss zudem zunehmend, weshalb die spielerische Schönheit zwangsläufig dem puren Willen und Kampf wich. Gern würde ich jetzt das in Minute 109 gefallene Führungstor unserer Zweiten in aller Detailliebe zum Besten geben, leider erinnere ich mich aber nur noch an eine ekstatische Jubeltraube an der Schleizer Bank, bei der das Gefühl in mir aufstieg, dass hier eigentlich nichts mehr anbrennen sollte. Meine Rechnung hatte ich dabei aber ohne den Schiri gemacht, der für meinen Geschmack das Wort Dramatik etwas zu sehr in den Vordergrund stellen wollte, als er kurz vor Schluss nach einer geklärten Ecke einen Zweikampf an der äußersten Strafraumbegrenzung als Foulspiel wertete und Neustadt den zweiten Elfmeter im Spiel zusprach.

In diesem Zusammenhang scheint eventuell auch ein kleiner Exkurs auf Studien zur Fairnessentwicklung passend: Je länger Personen in einem Verein aktiv sind, desto geringer gewichten diese die Bedeutung von Fairness innerhalb des Spiels. Den Spielbeobachtungen entnehmend, können wir dementsprechend davon ausgehen, dass einige handelnde Akteure schon seit einem längeren Zeitraum die vereinsinterne Fallschule besuchen. Den umstrittenen Elfmeter schoss Grau erneut äußerst souverän in die rechte Ecke, markierte damit den Schlusspunkt der Verlängerung und ließ in Bezug auf das kommende Elfmeterschießen schon nichts Gutes verheißen. Mit schon zwei Strafstößen Übungsvorsprung versenkten die Hausherren ihre jeweiligen Elfmeter vollkommen kaltschnäuzig und ohne Abwehrchance. Als dann bei unserer Zweiten neben einer Parade des Neustädter Torwarts auch noch bei Versuch Nummer 3 der Pfosten im Weg stand, war das Ausscheiden recht kurz und schmerzlos besiegelt.

Es war alles in allem also durchaus ein ärgerlicher, aber in Anbetracht der deutlichen Leistungssteigerung in Halbzeit zwei auch verkraftbarer Fußballtag im benachbarten Unterland. In der regulären Spielzeit bleibt man diese Saison ungeschlagen, man kommt nach den Höhenflügen der letzten Wochen auch mal wieder auf dem Boden der Tatsachen an und das Allerbeste: Die Sinne sind umso geschärfter für die noch zwei ausstehenden Liga-Partien gegen Neustadt, bei denen man die eigene Derbybilanz der letzten Jahre deutlich aufpolieren möchte und ganz sicher auch kann.

Bis dahin steht aber erst einmal ein nicht weniger anspruchsvolles Ligaprogramm an, das uns nächste Woche nach Königshofen führt. Für alle, die sich noch an die blamable Partie aus der Vorsaison erinnern, sollte das allein schon Grund genug sein, am kommenden Wochenende nicht nur ästhetisch schön, sondern auch wieder erfolgreich zu spielen.


Quelle:Tim Zscherpel (Bericht) | Thomas Quentin (Foto)


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