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Die Vereinsvorsitzende des FSV Schleiz, Claudia Ludwig, im großen Interview (2)

Alexander Hebenstreit, 28.01.2021

Die Vereinsvorsitzende des FSV Schleiz, Claudia Ludwig, im großen Interview (2)

Bei den eigentlich zuschauerträchtigten Heimspielen im Oktober, durfte corona-bedingt nicht mehr als 50 Zuschauern Einlass gewährt werden. Was aus heutiger Sicht fast schon wie ein Luxus wirkt, war zur damaliger Zeit nicht nur aufgrund erheblicher Einnahmeverluste ein großes Ärgernis. Immerhin: Die Fans wurden kreativ und unterstützten die Schwarz-Gelben eben über den Zaun hinweg. Foto: Jürgen Müller

In Teil 1 des ausführlichen Interviews sprach die FSV-Vorsitzende Claudia Ludwig insbesondere über Investitionen, die Auswirkungen der Corona-Pandemie sowie die Anhänger des FSV Schleiz.

Im zweiten Teil geht es unter anderem um die Aufbruchstimmung, die der Thüringenliga-Aufstieg mit sich brachte, die Idee einer weiteren Mannschaft unter dem Dach des FSV Schleiz und hohe sportliche Ziele.

 

Zeichnet sich nach der Dacherneuerung auch schon das nächste Großprojekt am Horizont ab?

Ja, das Herzensprojekt zahlreicher Spieler unserer ersten Mannschaft: der Einbau einer Bewässerung für unseren Hauptplatz, wofür wir mit rund 60.000 Euro kalkulieren. Geplant ist, dass es spätestens 2022 realisiert wird.

Den Thüringenliga-Aufstieg haben wir ja schon anklingen lassen. Wird der FSV Schleiz für dein Empfinden seither anders wahrgenommen als vorher?

Ganz klar ja! Ich werde auch darauf angesprochen und bin echt froh, dass wir diesen Schritt nach kurzer Rücksprache mit Steffen Saß und dem Trainerduo Roger Fritzsch und Dirk Ludwig gegangen sind. Der ganze Verein profitiert davon. Es ist schon ein kleiner Hype!

Apropos Roger Fritzsch: Seit er im September 2018 das sportliche Ruder übernahm, ging es für den FSV nur noch bergauf – auch wenn er selbst das sicherlich kleinreden würde. Welchen Anteil hat er aus deiner Sicht daran, dass der FSV Schleiz jetzt da steht, wo er steht?

Aus rein sportlicher Sicht den Löwenanteil! Er ist für den FSV ein kleiner Lottogewinn! Den Tipp, ihn bei der Trainersuche zu fragen, bekam ich damals von Tino Focke vom FC Motor Zeulenroda. An dieser Stelle nochmal danke dafür, Tino! 

Du hast von einem Hype in Folge des Aufstiegs gesprochen. Hast du die Befürchtung, dass diese Aufbruchstimmung die aktuelle Pause nicht übersteht?

Die Männermannschaften mit der Begeisterung drumherum werden meiner Meinung auch auch die Corona-Pause gut überleben. Da wird das größte Problem das veränderte Körpergewicht sein (lacht).
Sorge macht mir der Nachwuchs. Ich befürchte, dass wir den einen oder anderen Kicker verlieren werden, der während der Zwangspause die Liebe zu Playstation & Co. entdeckt hat. 

Wie kann man dem entgegenwirken?

Dass zwischenzeitlich das Nachwuchstraining wieder erlaubt war, hat das Problem vermutlich abgefedert. Die Möglichkeit war Eltern und Spielern mehr als willkommen. Nicht jeder Verein im Umkreis hatte dies angeboten. 
Persönlich bin ich felsenfest der Meinung, dass zumindest das Nachwuchstraining schnellstmöglich wieder erlaubt werden sollte – natürlich unter Einhaltung der Hygienevorschriften. Für die Kinder sind nicht nur die sozialen Kontakte, sondern auch die körperliche Betätigung enorm wichtig.

Anderes Thema: Lass uns mal ein Bisschen herumspinnen. Ligakonkurrent Wismut Gera beabsichtigt eine Frauenmannschaft ins Leben zu rufen. Würde das nicht auch dem FSV Schleiz gut zu Gesicht stehen? Vor nicht allzu langer Zeit gab es eine durchaus erfolgreiche Frauenmannschaft im benachbarten Oberböhmsdorf. An diese Tradition könnte man doch anknüpfen.

Da spricht nichts dagegen, gerne! Die eine oder andere Spielerin gibt es ja schon in unseren Nachwuchsmannschaften. Mit Susi Wolf als Übungsleiterin haben wir sogar eine ehemalige Oberböhmsdorfer Spielerin in unseren Reihen ...

… und ihr damaliger Coach Mario Hollmann hat nicht nur eine persönliche FSV-Vergangenheit, er wohnt auch direkt am Fasanengarten. Da hätte man doch einen schönen Ansatzpunkt.

Egal, ob nun er oder jemand anders: Natürlich bräuchte man dafür einen engagierten und einfühlsamen Trainer. Wichtigste Grundvoraussetzung wäre es aber erst einmal genügend Mädchen und Frauen aus Schleiz und Umgebung zu finden, um eine spielfähige Mannschaft zusammen zu bekommen – und das klappt sicherlich nicht einfach so von heute auf morgen.

Bleiben wir also erstmal bei den Mannschaften, die wir tatsächlich haben: Im Großfeldbereich des Nachwuchs arbeitet der FSV mit Motor Zeulenroda zusammen. Sollte es nicht vielmehr der Anspruch eines Vereins wie des FSV Schleiz sein, den Nachwuchs eigenständig zu besetzen?

Im Gegenteil: Die Spielgemeinschaft, die wir im Moment von der C- bis zur A-Jugend mit Motor Zeulenroda haben, wollen wir perspektivisch sogar noch ausbauen; und zwar dahingehend, dass wir weitere benachbarte Vereine einbeziehen. Nur so können wir eine nachhaltige und qualitativ hochwertige Nachwuchsarbeit absichern.
Im ländlichen Raum ist es mittlerweile einfach nötig, den Juniorenfußball im Großfeldbereich auf breite Beine zu stellen, um langfristig konkurrenzfähig zu sein – und sich vielleicht sogar ein wenig vom Umfeld abzuheben.

Klingt ein wenig nach einem reinen Jugend-Fußballverein, wie es sie inzwischen in mehreren Regionen Thüringens gibt.

Gedacht ist es so, dass trotzdem jeder Partner auch im Nachwuchsbereich fortbesteht und kein neuer Sammelverein gegründet wird, wie es beispielsweise in Pößneck und Umgebung mit dem JFC Saale-Orla der Fall war. Auch die Spieler sollen bei ihren jeweiligen Vereinen bleiben, dort ihr Spielrecht haben und auch dort ihre Beiträge zahlen.
Das ist mit allen Vereinen abgesprochen, da aber noch letzte Konsultationen ausstehen und es nicht ganz spruchreif ist, will ich nicht zu sehr ins Detail gehen. Aber der Weg wird sicherlich in diese Richtung führen.

Blicken wir noch auf die Männer: Nicht zuletzt aufgrund der Neuzugänge für die Erste würde – vermutlich nicht nur – Cheftrainer Roger Fritzsch die zweite Mannschaft gerne wieder eine Liga höher sehen. Was hältst du von dem Gedanken?

Das Thema Zweite haben wir aktuell im Vorstand besprochen. Ich will da aber nicht vorweg greifen, ehe wir nicht direkt mit den Verantwortlichen der Mannschaft gesprochen haben.

Und die Erste? Siehst du sie dauerhaft im Thüringer Fußball-Oberhaus oder hast du die Befürchtung, dass es früher oder später wieder nach unten geht?

Ich bin optimistisch, dass sich die erste Mannschaft dauerhaft in der Liga behaupten wird, da 1. unser Trainer alles daran setzen wird und 2. immer wieder gute Leute aus dem Nachwuchs nachrutschen werden, um das Niveau zu halten.

Gut genug, dass man eines Tages vielleicht sogar in Richtung Oberliga schielen kann?

Dafür müsste schon sehr viel zu unseren Gunsten laufen. Aber man soll niemals nie sagen. Gemeldet haben wir jedenfalls dafür!

Wagen wir zum Abschluss noch einen Blick in die Glaskugel: Wie wird es im kommenden Sommer um den FSV bestellt sein?

Im Sommer 2021 spielt unsere erste Mannschaft am Fasanengarten mit neuen Zuschauerbänken an der Längsseite, damit 300 Fans bequem das hochkarätige Spiel verfolgen können.