FSV Schleiz e.V.

FSV-Trainer Roger Fritzsch im Interview (Teil 1)

Alexander Hebenstreit, 23.06.2019

FSV-Trainer Roger Fritzsch im Interview (Teil 1)

Mit Roger Fritzsch übernahm im September ein bis dahin Unbekannter als Trainer unserer ersten Mannschaft das Ruder beim FSV Schleiz. Unter seiner Regie beendete der FSV die Landesklassen-Saison auf Rang drei, doch der anspruchsvolle und nicht leicht zufrieden zu stellende Plauener sieht noch Reserven und ärgert sich trotz ordentlicher Punkteausbeute über die verpasste Chance auf den Angriff nach ganz oben. Im Interview zum Saisonabschluss gibt er genaue Einblicke auf seine Sicht der Dinge.

 

Zur Halbzeitbilanz während der Winterpause meintest du, dass die Mannschaft angesichts ihres Leistungsvermögens weder mit der Platzierung noch mit der Punkteausbeute zufrieden sein dürfe. Wie sieht es nach der Rückrunde aus? Es gelang immerhin ein Pünktchen mehr als im ersten Halbjahr, was zum Sprung von Platz vier auf den Bronzerang reichte.

Ich stehe immer zu den Dingen, die ich äußere und lasse mich auch gerne daran messen. Nein, ich bin absolut nicht zufrieden mit unserer Punkteausbeute in der Rückrunde und somit muss ich mir auch selbst eingestehen, dass ich meine Aussage leider nicht einhalten konnte. Auch wenn wir uns einen Tabellenplatz verbessert haben und es ein Pünktchen mehr geworden ist.

 

Leistungsvermögen hin oder her. Viele alteingesessene Schleizer werden die Saison – gerade mit Blick auf die Erwartungshaltung im Vorsommer – als eine gute, womöglich sogar sehr gute in Erinnerung behalten. Du kamst erst kurz nach Saisonbeginn zum FSV, kanntest den Verein vorher nicht. Wie fällt deine allgemeine Einschätzung zur Spielzeit 2018/19 aus?

Es freut mich, wenn viele mit der Saisonleistung der Mannschaft zufrieden sind, aber genau darin liegt die große Gefahr. Ich schätze die Herzlichkeit, den Realismus und die Demut, die in diesem Verein herrscht. Aber der Verein darf sich auch nicht kleiner oder schlechter machen, als er ist. Deshalb halte ich es für wichtig, objektiv zu betrachten und zu urteilen. Aus meiner Sicht wären mehr Punkte möglich gewesen und somit sollte sich die Zufriedenheit auch in Grenzen halten.

 

Was bleibt dir persönlich als Höhepunkt der Saison in Erinnerung und woran erinnerst du dich heute noch mit Grauen zurück?

Also wie unsere Mannschaft in Ilmenau und Jena-Zwätzen von einer Fanschar aus Schleiz unterstützt wurde, war schon einzigartig. Der schmerzhafteste Moment war die 3:4-Heimniederlage gegen Gera-Westvororte. Ich habe schon viel erlebt im Fußball, aber das war in meiner kompletten Trainerlaufbahn die bitterste Niederlage.

 

Der Start in die Rückrunde war hinsichtlich der Ausbeute mit zwei Zählern aus vier Spielen genauso dürftig, wie zu Beginn der ersten Halbserie. Sind daran die schlechten Bedingungen auf dem Hartplatz schuld oder wäre es zu einfach, den dortigen Trainingsmöglichkeiten den schwarzen Peter zuzuschieben?

Wir dürfen und werden uns kein Alibi für Niederlagen oder Punktverluste suchen. Aber man darf die fehlenden Trainingseinheiten bei spielnahen Bedingungen auch keinesfalls unterschätzen. Hier muss ich ganz klar resümieren, dass der Mannschaft einiges an Automatismen und auch an Qualität abging. Ich weiß, mit wie viel Herzblut im Ehrenamt unsere Sportanlage gepflegt wird. Das verdient den größten Respekt, aber hier muss der Verein einfach ein Stück weit aktiver werden und versuchen über Kooperationen mit umliegenden Vereinen Möglichkeiten für ein landesklassetaugliches Training zu schaffen.

 

Nach dem schwachen Rückrundenauftakt zeigte die Formkurve einschließlich entsprechender Ergebnisse nach oben. Genauso war es auch in der Hinrunde. War einfach der Spielplan so gestaltet, dass die schwierigsten Partien zu Beginn anstanden oder woran lag es, dass die Mannschaft erst nach einigen Punktspielen in Schwung kam?

Also die schwierigsten Partien waren es aus meiner Sicht definitiv nicht. Wir haben in den ersten vier Partien eigentlich nur ein richtig schlechtes Spiel gemacht und das war gegen Saalfeld. Dass in Bad Lobenstein auf Kunstrasen nicht viel zu holen ist, war uns vorher klar. Die Spiele gegen Gera und Zeulenroda müssen wir auf Grund der Spielanteile und der Torchancen einfach gewinnen. Da fehlte uns auch ein wenig das Spielglück. Aber so richtig in Fahrt kamen wir zweifelsohne erst in den letzten Wochen. Der Grund dafür liegt einfach darin, dass wir in dieser Zeit wieder mehrfach auf dem Hauptplatz trainieren durften.

 

Mit dem TSV Gera-Westvororte holte sich letztlich das Team souverän den Titel, das auch fast die komplette Spielzeit ganz oben rangierte. Ist die beste Mannschaft der Landesklasse Meister geworden?

Wenn du am Ende einer Saison auf Platz eins stehst, dann bist du auch die beste Mannschaft. Respekt und Glückwunsch an Gera. Mit Rico Heuschkel hatten sie einen Eisvogel, der einen Riesenanteil an dieser Meisterschaft hat. Ich persönlich sehe aber Mannschaften wie Bad Lobenstein, Saalfeld, Stadtroda und Neustadt mit dem größeren Potenzial.

 

In einem Klassement rangiert auch der FSV Schleiz ganz vorne. Zum wiederholten Male gewann die Mannschaft die Fairplay-Wertung. Ist das eine Auszeichnung, über die man sich als Trainer überhaupt freuen kann oder hättest du dir stattdessen in der einen oder anderen Situation ein taktisches Foul mehr gewünscht?

Nein, ich freue mich nicht über diese Auszeichnung. Ich könnte jetzt genügend Situationen aufzählen, die wir mit einem einfachem taktischen Foulspiel hätten auflösen können und dadurch ein paar Punkte mehr auf dem Konto hätten.

 

Der zweite Teil des Interviews mit Roger Fritzsch, in dem er unter anderem seinen Spieler der Saison nennt, folgt am Dienstag.

Zu Teil 2 des Interviews