Est. 1913

Neutralisiert – Schleiz lässt Chemie keine Chance (Nachtrag)

Leif Broßmann, 20.05.2026

Neutralisiert – Schleiz lässt Chemie keine Chance (Nachtrag)

Das Duell zwischen dem FSV Schleiz und dem FC Chemie Triptis war intensiv, aber nie unfair. Hier duellieren sich Philip Schier und Nick Reupsch um den Ballbesitz. Foto: A. Nestvogel (via FuPa, bearb.)

 

2.Mannschaft : Spielbericht

Kreisoberliga Jena-Saale-Orla
13. Spieltag - 13.05.2026 18:30 Uhr
FC Chemie Triptis   FSV Schleiz II
FC Chemie Triptis 1 : 4 FSV Schleiz II
(1 : 1)

Spielstatistik

Tore

2x Marko Fedoriaka, Philip Schier, Erik Müller

Assists

Leif Broßmann, Erik Müller

Gelbe Karten

Christian Göller, Kristian Lorenz

Torfolge

0:1 (24') Marko Fedoriaka (Erik Müller)
1:1 (33') FC Chemie Triptis per Elfmeter
1:2 (53') Erik Müller
1:3 (77') Marko Fedoriaka per Weitschuss
1:4 (85') Philip Schier per Weitschuss (Leif Broßmann)

 

Neutralisiert – Schleiz lässt Chemie keine Chance

Am Mittwoch vor Himmelfahrt reiste die Schleizer Zweite zum Saale-Orla-Derby zu den Chemikern nach Triptis. Eigentlich sollte der Bericht deshalb mit einer Anekdote über Natrium und Wasserstoff beginnen – aber NaH  (Diesen zugegebenermaßen schlechten Chemiewitz widme ich dem baldigen Fachapotheker Christian Göller, der nicht nur im abschließenden Jubelkreis, sondern auch die 90 Minuten zuvor eine starke Figur machte).

Die Chemie als Wissenschaft beschäftigt sich mit Teilchen, die sich scheinbar ungeordnet bewegen und dennoch ständig miteinander reagieren. Auch Fußball funktioniert oft nach diesem Prinzip: Einzelspieler allein entscheiden selten ein Spiel; erst die perfekte Abstimmung, das richtige Passspiel und die passende Verbindung erzeugen Wirkung. Und genau diese Mischung fanden die Schleizer auch an jenem Mittwoch.

Von idealen Laborbedingungen konnte vor dem Anpfiff allerdings keine Rede sein: Dauerregen, kalte Böen und recht tiefer Rasen ließen zunächst eher ein zähes Kampfspiel als ein Fußballfest erwarten. Dass die Schleizer an diesem Abend in strahlendem Weiß antraten, konnte angesichts des Wetters also als durchaus mutiges Experiment gelten. Ein besonderer Dank gilt daher schon an dieser Stelle Heiko, der bei der anschließenden Wäsche vermutlich Sonderschichten einlegen durfte und das erfreulicherweise auch deshalb, weil die Bank, recht ungewöhnlich für ein Auswärtsspiel in dieser Saison, breit und stark besetzt war.

Das Spiel begann mit einer recht offensiv ausgerichteten Schleizer Mannschaft, die immer wieder versuchte, den Spielaufbau der Hausherren frühzeitig anzupressen. Triptis reagierte darauf zu Beginn mit häufigen langen Bällen, zumeist in Richtung des KOL-Toptorjägers Neupert. Dieser rieb sich aber immer wieder am starken FSV-Block um Max Beetz, Leif Broßmann und Erik Müller auf, ohne größere Gefahr auszustrahlen. Im eigenen Ballbesitz machte die Schwarzbach-Elf ihren königlichen Trikots alle Ehre und spielte sich mehrfach sehenswert in die gegnerische Hälfte, auch wenn der letzte Steckpass oder Diagonalball bis dato noch nicht das gewünschte Ziel fand. Ganz nach dem alten Fußball-Credo: Wenn der letzte Pass nicht ankommt, dann hilft auf nassem Rasen einfach ein flacher Schuss aus der Distanz, fasste sich Marko Fedoriaka in der 24. Minute ein Herz, wobei sein Schuss aus gut 20 Metern die Lücke zwischen hechtendem Torwart und Boden fand und flach rechts ins Tor glitt.

Im weiteren Verlauf der ersten Halbzeit wurde das Spiel ausgeglichener. Triptis gewann zunehmend die Kopfballhoheit und tauchte damit immer mal wieder gefährlich vor Torhüter Mahir Nukovic auf. Dieser zeigte in seiner zweiten Partie zwischen den Pfosten erneut eine vorbildliche Leistung, lediglich in Minute 32 berührte er neben dem Ball auch seinen Gegenspieler, der diesen Kontakt wiederum dankend annahm. Den recht umstrittenen Elfmeter verwandelte Reinhold sicher im linken Eck.

Nach der Halbzeit und dem erneut spielentscheidenden Kilian-Greiner-Wechsel – diesmal allerdings in Form einer Auswechslung statt einer Einwechslung – entwickelte sich eine enorm einseitige Partie. Der FSV rollte nun energisch Angriffswelle um Angriffswelle auf das zunehmend müder wirkende Heimteam. Nach einigen ausgelassenen guten Gelegenheiten drosch schließlich Erik Müller einen Abpraller aus gut 12 Metern unhaltbar ins Tor. Trotz der Führung spielte die Schleizer Zweite weiter konsequent nach vorn und ließ dabei weitere sehr gute Gelegenheiten aus; beispielsweise als Marko Fedoriaka in Gareth-Bale-Manier und mit gefühlten 50km/h einen spiegelverkehrten Arjen-Robben-Gedächtnislauf mit einem Schuss knapp neben den langen Pfosten abschloss. Die vergebene Chance konnte der junge Ukrainer aber offenbar nicht auf sich sitzen lassen und hämmerte etwa zehn Minuten später den Ball von außerhalb des Strafraums ins linke Dreiangel.

Spätestens mit diesem Treffer war die Gegenwehr der Chemiker nun endgültig gebrochen. Kleinere Fehler und zunehmende Unkonzentriertheiten im Spielaufbau ermöglichten immer wieder schnelle Tempogegenstöße und Umschaltmomente für unsere Zweite. Diese Bemühungen belohnte schließlich Philip Schier sehenswert mit einem satten Schuss in den rechten Winkel, was zugleich das Endergebnis markierte.

Der FSV fand an diesem Mittwoch die perfekte Dosierung der Siegesformel: Im Zweikampf wurde, nach durchaus eindringlichen Forderungen des Trainerstabs, endlich agiert statt nur reagiert und in der Spielfeldbesetzung stimmten Abstände und Nachführarbeit, um immer wieder freie Räume zu besetzen. Die genaue Mischung der Erfolgsformel bleibt jedoch geheim, immerhin möchte der Autor nicht erneut Gefahr laufen, einen Scouting-Report für kommende Gegner zu liefern.

Unterm Strich dieser Schleiz-Chemie-Gleichung stehen somit drei nicht unbedingt vorher erwartbare, aber umso verdientere Punkte unserer zweiten Männermannschaft. Nach nun fünf ungeschlagenen Spielen und dabei vier Siegen in Serie läuft der Saisonendspurt nach zuvor recht schwierigen Wochen bestens an und macht Lust auf mehr.

Anmerkung:
Es folgte ein Spiel mit besonderen Umständen in Königshofen. Am Mittwoch, dem 20.05.2026, ist die Schwarzbach-Elf bei der SG ThalBürgel zu Gast. Anstoß ist hier um 18:30 Uhr.

 

weitere Fotos vom Spiel (Andre Nestvogel; via FuPa)


Quelle:Tim Zscherpel (Bericht) | Andre Nestvogel (Foto; via FuPa, bearb.)


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