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Erst verschlafen, dann angezündet

Sonntag, 18. Oktober 2026 · 15:00 UhrKreisoberliga Jena-Saale-Orla, 9. Spieltag

Schiedsrichter: Johann Scharf

Zuschauer: 40

90

Schleiz II dreht auf, lässt aber den Sieg liegen

Spielbericht vom 20. Oktober 2026

Der Spielbericht wird präsentiert von:

    Nebel über dem Jenzig, der Tabellenführer in Weiß und eine Schleizer Mannschaft, die sich für den Sonntagnachmittag einiges vorgenommen hatte: Die Voraussetzungen für ein unterhaltsames Fußballspiel waren gegeben. Und tatsächlich sollte die Partie zwischen dem FSV Schleiz II und dem SV Post Jena so ziemlich alles bieten, was das Fußballherz begehrt – von vergebenen Großchancen über einen Doppelschlag binnen weniger Minuten bis hin zu einem Freistoßtor aus rund 45 Metern. Nur auf einen entspannten Nachmittag mussten die mitgereisten Schleizer Anhänger verzichten.

    Schleiz macht das Spiel, aber nicht die Tore

    Pünktlich um 15 Uhr rollte der Ball auf 'Postsportplatz'. Die Anfangsminuten waren zunächst hektisch, doch die Schleizer fanden zunehmend besser ins Spiel. Bereits früh zeigte der Schlussmann der Gastgeber bei der einen oder anderen Klärungsaktion, dass an diesem Nachmittag nicht alles nach Lehrbuch ablaufen würde. Christian Göller und Mark Kevin Kiesow konnten daraus allerdings noch kein Kapital schlagen.

    Nach einem feinen Doppelpass zwischen den beiden verbuchte Kiesow den ersten Schleizer Abschluss. Die linke Klebe war zwar zur Stelle, ließ es aber an der nötigen Präzision und Schärfe vermissen. Wenig später servierte Garstka einen hervorragenden Ball auf Greiner, dessen Flanke Kiesow im Zentrum fand. Der Kopfball geriet jedoch zu hoch – die erste größere Gelegenheit war dahin.

    Post Jena meldete sich derweil vor allem mit Freistößen aus dem Halbfeld. Diese wurden von Mahir Nukovic und der Schleizer Defensive weitgehend souverän entschärft. Nukovic pflückte einen Ball sogar so sicher herunter, als hätte er gerade Zwetschgen für den Sonntagskuchen geerntet.

    Auf der anderen Seite fehlte den Schleizern zunächst der letzte Mut zum Abschluss. Statt den Ball konsequent Richtung Tor zu befördern, wurde mitunter so lange gewurschtelt, bis die nächste Ecke heraussprang. Immerhin: Bei den Standards war Schleiz durchaus fleißig. Aber die Versuche brachten nichts ein.

    Die Partie blieb damit ein Spiel der vergebenen Möglichkeiten. Ost setzte einen Abschluss weit über das Tor, Göller versuchte es nach einem energischen Broßmann-Lauf mit der Pike, und Garstka schob einen aussichtsreichen Ball lediglich am Kasten vorbei. Die Schleizer hatten mehr vom Spiel, während von Post Jena offensiv lange wenig zu sehen war. Ganz ohne Gefahr waren die Gastgeber allerdings nicht, insbesondere ihr Kapitän wusste sich immer wieder bemerkbar zu machen und aussichtsreiche Konter einzuleiten.

    Kurz vor der Pause bot sich Kiesow nach dem schönsten Spielzug der Partie und einer Hereingabe von Ost eine weitere gute Gelegenheit. Sein flacher Abschluss mit ordentlich Dampf wurde vom Jenaer Schlussmann jedoch stark pariert.

    So ging es nach 45 Minuten torlos in die Kabinen. Aus Schleizer Sicht war das 0:0 angesichts der Spielanteile und Chancen eher schmeichelhaft für die Gastgeber – oder anders gesagt: Der Aufwand stimmte, die Belohnung fehlte.

    Drei Minuten, zwei Gegentore – und plötzlich brennt die Hütte

    Nach der Pause ging es ebenso pünktlich weiter, wie es zuvor in die Halbzeit gegangen war. Offenbar hatte jemand die Stechuhr mitgebracht. Was zunächst nach einem geregelten zweiten Durchgang aussah, entwickelte sich allerdings schnell zu einem Schleizer Albtraum.

    In der 50. Minute nahm Jenas Kapitän einen Kontakt von Hein im Strafraum geschickt an. Der Schiedsrichter zeigte auf den Punkt, und Post Jena nutzte die Gelegenheit zur Führung: 1:0.

    Aus Schleizer Sicht war das schon ärgerlich genug. Was wenige Augenblicke später folgte, setzte dem Ganzen jedoch die Krone auf. Ein Abschluss aus der zweiten Reihe konnte Nukovic nur nach vorn abwehren und der Nachschuss landete im Netz. Innerhalb kürzester Zeit stand es 2:0 für Post Jena. Hurra, hurra, die Post war da...

    Wer die erste Halbzeit gesehen hatte, musste sich verwundert die Augen reiben. Das Spiel war auf den Kopf gestellt, und die Schleizer wirkten für einen Moment völlig von der Rolle. Zwei Wirkungstreffer, die saßen. Doch wer glaubte, Schleiz würde sich nun seinem Schicksal ergeben, hatte die Rechnung ohne Tim Zscherpel gemacht.

    Zscherpel aus 45 Metern – und Greiner legt nach

    In der 57. Minute bekam der FSV einen Freistoß aus rund 45 Metern zugesprochen. Zscherpel nahm Maß und beförderte den Ball über die Faust des Post-Schlussmanns tatsächlich ins Tor. Broßmann irritierte den Torhüter zusätzlich, doch an der Wirkung dieses Treffers gab es nichts zu rütteln. Schleiz verkürzte und belohnte sich endlich mit einem Treffer.

    Nur zwei Minuten später war der FSV dann wieder voll da. Ein hoher Ball in die Spitze erreichte Greiner, der den herauseilenden Torhüter überlupfte und zum 2:2 ausglich.

    Innerhalb kürzester Zeit hatten die Schleizer den Zwei-Tore-Rückstand egalisiert. Aus dem Tiefschlaf war plötzlich Feierstimmung geworden, und selbst die Mannschaft von Thüringen Jena III, die das Geschehen von außen verfolgte, feuerte die Schleizer an.

    Die Partie war wieder völlig offen. Ost setzte anschließend zu einem bemerkenswerten Solo über die linke Seite an und ließ gleich mehrere Gegenspieler stehen. Am Ende konnte der Jenaer Torhüter den Ball zur Ecke klären. Spätestens jetzt war klar: Die Schleizer hatten Feuer gefangen.

    Offener Schlagabtausch statt gemütlichem Sonntagskick

    In der Folge bemühten sich die Schleizer um den Führungstreffer, agierten dabei aber teilweise etwas überhastet. Gute Ansätze waren vorhanden, doch im letzten Moment fehlte mitunter die Ruhe. Auch die Zweikämpfe wurden intensiver. Ost sah Gelb, wenig später wurde er selbst von hinten unsanft abgeräumt, was dem Jenaer Kapitän ebenfalls eine Verwarnung einbrachte.

    Eine der spektakulärsten Szenen des Nachmittags spielte sich nach einem Freistoß der Gastgeber ab. Broßmann verschätzte sich bei einem Ball, ein Jenaer Spieler wollte den Ball um den Torhüter herum ins Netz zirkeln, doch Nukovic packte mit seiner Bäckerpranke zu und hielt die Situation zunächst am Leben. Der anschließende Seitfallzieher der Gastgeber landete am Lattenkreuz. Da fehlte nicht viel, und Schleiz hätte sich für die Aufholjagd beinahe selbst wieder bestraft.

    Die Breite Gästebank sollte die Schleizer dann auf die Siegerstraße bringen: Maurice Hilbert kam für Luis Hein, später ersetzte Kristian Lorenz Christian Göller. Die Partie verlor zwischenzeitlich etwas an Tempo, ohne dass die Schleizer ihre Ambitionen auf den Dreier aufgegeben hätten. In der Schlussphase sollte es noch einmal richtig aufregend werden.

    Die Chancen waren da – nur der Ball wollte nicht hinein

    Zunächst legte Kiesow nach einem Solo im Strafraum quer. Vor dem Tor war allerdings niemand zur Stelle, um die Hereingabe zu verwerten. Eine Gelegenheit, bei der man als Schleizer Anhänger vermutlich lieber nicht zu genau hingeschaut hätte.

    Kurz darauf tauchte Lorenz selbst frei vor dem Tor auf. Statt den Ball noch einmal mitzunehmen, versuchte er es direkt – und schob die Kugel am Kasten vorbei. Kommentar Thüringen Jena III: Den macht der doch sonst im Schlaf!

    Auch Gartska versuchte es aus der zweiten Reihe. Der Torhüter machte sich lang und lenkte den Ball zur Ecke. Diese landete schließlich bei Kiesow, dessen Dropkick aus etwa zehn Metern allerdings deutlich über das Tor flog.

    Greiner wurde in der 86. Minute durch Raßbach ersetzt. Die Schleizer suchten weiter die Lücke, doch entweder waren die Zuspiele einen Tick zu ungenau, ein gegnerisches Bein im Weg oder die letzte Entschlossenheit fehlte. Selbst in aussichtsreicher Position schien sich niemand so recht zum Abschluss durchringen zu können.

    Post Jena kam seinerseits noch einmal über eine Ecke, die Schleiz jedoch entschärfte. Die letzten Sekunden liefen, auf Jenaer Seite wurde noch einmal gewechselt, und schließlich beendete der sehr überzeugende Schiedsrichter die Partie. Großes Komliment an dieser Stelle an das gesamte Gespann und auch die Post für eine faire und sportliche Partie!

    Ein Punkt, der sich nicht ganz wie einer anfühlt

    Am Ende stand ein 2:2, das aus Schleizer Sicht durchaus zwiespältige Gefühle hinterlassen dürfte. Nach einer torlosen ersten Halbzeit, in der der FSV die besseren Möglichkeiten hatte, geriet die Mannschaft unmittelbar nach dem Seitenwechsel innerhalb kürzester Zeit mit 2:0 in Rückstand. Die Reaktion darauf war allerdings bemerkenswert: Mit einem Freistoß aus rund 45 Metern und Kilian­s Lupfer kämpfte sich Schleiz eindrucksvoll zurück.

    Dass es anschließend nicht zum Sieg reichte, lag vor allem an der mangelnden Chancenverwertung in der Schlussphase und ersten Halbzeit. Mehrfach boten sich Möglichkeiten, die Partie (endgültig) auf die eigene Seite zu ziehen. Doch zwischen aussichtsreicher Position und Torerfolg lag an diesem Nachmittag offenbar eine unsichtbare Mauer.

    So nimmt der FSV Schleiz II einen Punkt mit, darf sich über die Moral nach dem Zwei-Tore-Rückstand freuen, muss sich aber auch fragen, warum aus einer Vielzahl guter Gelegenheiten nicht mehr herausgesprungen ist.

    Oder kurz gesagt: Erst ließ Schleiz die Chancen liegen, dann den Gegner davonziehen – und anschließend beinahe noch den Sieg. Für einen neutralen Zuschauer war es ein unterhaltsamer Nachmittag. Für die Schleizer Nerven vermutlich eher eine Belastungsprobe.

    Fazit: Moral bewiesen, spektakulär zurückgekommen und am Ende doch nicht voll belohnt. Der FSV Schleiz II zeigte, dass er sich auch von einem 2:0 nicht aus der Bahn werfen lässt. Wenn künftig noch die Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor hinzukommt, dürfte der nächste Sonntag für die mitgereisten Anhänger deutlich entspannter werden.

     

    Am Wochenende kommt es um 12:30 Uhr wieder zu einem waschechten Spitzenspiel! Der Zweitplatzierte, Eintracht Camburg, ist im Vorspiel zu Gast!

     

    Text: Sebastian Raßbach (KI-unterstützt). Ein großer Dank an Paul Jung!